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"Die Volksmänner"

Die Volksmänner

Originale sind Menschen mit besonders ausgeprägten Eigenschaften. Solche gab es in den dreißiger Jahren viele in unserer Gemeinde. Allen bekannt waren die drei Volksmänner.
Sie waren wirklich ein Begriff in unserer Heimat.
Dazu gehörten der Friseur Ludwig Hofer, der Bauer Angerlechner und der Schnei­dermeister und spätere Gemeindeschreiber Lorenz Utz, alle wohnhaft im Dorfe Griesstätt.
Für das ganze Jahr war ihr Sonntagsprogramm jedem bekannt. Am Sonntagnach­mittag trafen sie sich regelmäßig in Altenhohenau in der Gaststätte Soyer. Am Stammtisch wurde da viel gelacht. Nach einigen Stunden zogen sie dann nach Griesstätt zum jetzigen „Jagawirt". Hier zeigte das Bier schon seine erste Wirkung. Zuletzt besuchten die Volksmänner den Postwirt Soyer im Dorfe. Da sang der unver­gessliche Hofer so oft sein „Marmoladalied". Selbstverständlich gab es immer Frei­bierspender. Es herrschte dabei beste Stimmung in den vollbesetzten Gaststuben.
Ein großes Fest bereiteten sie immer am Faschingsdienstag in Altenhohenau vor. Mit einem kleinen Festwagen zogen sie, verstärkt durch die bekannten Freunde Robert Auerhammer, Kaiser-Schreiner-Josef, Strahlhuber Otto und dem Inninger von Kettenham mit vielen Schaulustigen nach Altenhohenau. Dort wurde um Mitternacht der Faschingsprinz begraben. Herzlichkeit und Frohsinn ohne Streit und Hader!

Einer schrieb damals:
„Die drei habens so furchtbar schwer,
daheim sinds selber gar nichts her;
nur jeder spricht am Abend munter,
sei staad, sonst kommst in d'Versitzgruam nunter."


aus "Griesstätter Heimatbuch" 1996,
Autor Hauptlehrer a.D. Hans Brunner, Seite 113

Isidor Spensberger

Isidor Spensberger

Er ist am 4. April 1864 geboren und lebte mit seiner Frau Barbara in Kettenham. Dort erwarb er um 1895 die verlassene Badstube und diese erhielt dann die erste Hausnummer 41 ½.
Eine Spensbergertochter vom Gütler in Kettenham war Agathe Anna Spensberger, geb. am 12. Mai 1891 in Gars. Sie besuchte 1897 die Schule in Griesstätt.

Er war ja ein armer Teufel mit seiner Familie. Im Gemeindebereich kaufte er die Eier auf und suchte sie in Wasserburg abzusetzen, ohne Auto oder Fuhrwerk. Ich traf ihn öfters in der Schmidmayer-Wirtschaft. Er kam immer in Holzschuhen. Da erzählte er die schaurigsten Wilderer-Erlebnisse.

Eine wahre Geschichte:

Wieder einmal war Treibjagd im Laiminger Holz. Da wollte er jedenfalls nicht leer ausgehen. Er schlich sich in das Holz, die Büchse fehlte nicht. Kein Jäger und Treiber sah ihn. Und die Jagd begann: Die Treiber schrien und schlugen mit festen Stöcken an Bäume und Hecken und dann krachten die Büchsen. Das war die günstige Gelegenheit für den Spensberger. Er schoss ein Reh. Und was nun? Die Büchse versteckte er schnell, nahm das Reh über die Schulter und trug es mitten durch die passenden Jäger nach Hause. Die Jagd war aus und alle besichtigten die reiche Beute. Nur das Reh, das noch die Jäger sahen, fehlte.
„Wo ist denn das Reh?", so fragten sich die Jäger. Es war unauffindbar. Freilich, der Spensberger hatte es irgendwo gut versteckt.
Die Polizei dachte natürlich gleich an den alten Wilderer Spensberger. Sie suchte ihm das Haus aus, aber umsonst. Und der arme Spensberger war für viele Tage wieder gut versorgt. Spensberger verschmähte auch nicht das Hundefleisch. Ging er durch irgend eine Ortschaft, bellten alle Hunde.
In Griesstätt war Fronleichnamsprozession. Der begegnete Spensberger mit Holz-schuhen und im Werktagsgewand.
Und wie er seinem Ende entgegenging, betete er viel und bereute dazu seine vie-len Streiche. Er wurde am 13. März 1935 in Griesstätt beerdigt. Sein Grab besteht nicht mehr

aus "Griesstätter Heimatbuch", Seite 117, Autor Hauplehrer a. D. Hans Brunner
 

Die Pölzkath

Die Pölzkath

Sie hieß Katharina Glas und stammte aus dem „Pelzgeschlecht" Reimel in Raming, geboren am 12. Oktober 1850 in Raming, gestorben am 11. Dezember 1940 in Griesstätt.

Ich kannte sie nur als Totenfrau von Griesstätt. Sie war mittelgroß, trug meist ein dunkles Gewand und eine Schürze. Der weitkrempige Strohhut im Sommer war ihr unentbehrlich. Aus dem wettergebräunten Gesicht ragte eine kräftige Nase und ihre Augen glänzten, wenn ich mit ihr sprach. Ihr Sprechton war fast männlich.

1934 war sie schon Totenfrau der Gemeinde Griesstätt. Ihr Amt nahm sie sehr ernst und wichtig. Die Toten wurden früher am Sterbehaus abgeholt. Ich war oft mit dem damaligen Kooperator dabei.
Als der Tote auf den Totenwagen geladen war, stiegen die Katharina und der Emmeran (Huber), der Pferdeknecht beim Soyer in Griesstätt war, auf den Vordersitz. Dabei redete die Kath mit dem Toten, wie: „So, Sepp, jetz hamas, jetz wirst sogar gfahrn und de andan kenna hintn nochlafa!" In einer Hand trug sie eine große Laterne und in der anderen den Hacklstecken.

Die Kath wurde alt und man konnte sie nicht mehr gebrauchen. Beim Huber-Schreiner (neben dem Vorderkirchmayr) wohnte sie zuletzt einsam und unbeachtet.
Bei schönem warmen Wetter saß sie oft auf einem Holzstoß vor dem Haus. Das Augenlicht wurde immer schwächer. Ich setzte mich öfters zu ihr hin und da erzählte sie mir aus ihrem harten Leben. 13 Jahre diente sie als Magd beim Esbaumer. Sie liebte das Bier. Oft spendete ich ihr eine Maß und da leuchteten ihre Augen glücklich.
Mit 85 Jahren tanzte sie noch quicklebendig beim Soyer in der Wirtsstube.
Am 11. Dezember 1940 starb sie. Ihre Grabstätte ist längst verschwunden und vergessen.

aus "Griesstätter Heimatbuch", Seite 116/117, Autor Hauplehrer a. D. Hans Brunner
 

Der Wirtssimmerl Emmeran Huber

Der Wirtssimmerl Emmeran Huber

Er war einst im Dunzmaierhof als Sohn aufgewachsen. Wegen seiner Trunksucht konnte er den Hof nicht übernehmen.
So kam er als Stallbub zum Wirt Soyer in Griesstätt, und da war das Bier nicht weit weg.
Den Rössern war er zugetan, die liebte er und bei ihnen blieb er ein Leben lang. Er wurde Fuhrknecht und Hausmeis¬ter. Und die Verstorbenen durfte er mit dem Totenwagen abholen und zum Friedhof bringen. Die zwei Pferde trugen dabei eigene Trauerdecken.

Die Pelzkath und der Emmerl saßen vorne einträchtig nebeneinander auf dem Wagen. Der Emmeran war ein ruhiger, friedlicher und gutmütiger Mensch. Nie gab es Streit mit ihm. Er trank am Sonntag in aller Ruhe sein Bier.

Abends aber gehorchte er der Wirtstochter und ohne Murren verschwand er mit einem vollen Maßkrug.

Aber wohin? Seine Wohnung war der Stall. Er schlief nahe bei den Pferden, niemand konnte ihn davon abbringen. Seinen Rössern sang er dann immer gerne ein Liedlein vor.

Auch er wurde von seinem hochgeschätzten Wirt an Weihnachten nicht vergessen. Er erhielt, was er brauchte: Unterhosen, Hemden und Zigarren. I)a fühlte er sich dann glücklich. Einst besaß er das Obermeieranwesen im Oberdorf. Der Wirt kaufte ihm das Häuslein ab wegen seiner großen Bierschulden. Der Stall war seine Woh-nung, und im Stall starb auch friedlich der anspruchslose Emmerl.

aus "Griesstätter Heimatbuch", Seite 115/116, Autor Hauplehrer a. D. Hans Brunner
 

Die Marschter Marie

Die Marschtern Marie

Als erstes Kind von sieben Kindern wurde am 1..Juli 1874 beim Martin im Oberdorf die Marie geboren. Ihr Vater war Wolfgang Mitterwieser, geb. am 29. Mai 1821, Oberhungersohn von Kolbing, der später das Marschternanwesen kaufte. Mit 52 Jah¬ren heiratete er Anna Kaiser, Hubertochter von Berg.
Ihr ältester Bruder war der hochgeschätzte Archivdirektor Dr. Alois Mitterwieser, der Geschichtsschreiber des Klosters Altenhohenau.
Als der Vater starb, musste die Mutter das Anwesen verkaufen und zog in das arm-selige Waschhaus. Da blieb die Marie ihr Leben lang.
Ihr Bruder besuchte sie jeden Sommer.
Ihre Aufgaben waren vielseitig. Sie besorgte das ganze Jahr mühsam den Blumen-schmuck für die Pfarrkirche. Zu Weihnachten stellte sie alljährlich die Krippe aus. Niemand durfte ihr dreinreden, nicht einmal der Pfarrherr.
Ihre zweite Aufgabe war die Sauberhaltung des Friedhofs. Vergessene Gräber schmückte sie an Allerheiligen. Auch die Anlagen des Kriegerdenkmals pflegte sie gewissenhaft an Allerheiligen.
Unvergessen bleiben mir aber ihre abenteuerlichen Fahrten in die Filze. I)a schob sie immer einen längst ausgedienten Kinderwagen mit einem geflochtenen Korb und großen Rädern vor sich mühsam her. Und was sie alles in der Filze entdeckte! Blu¬men, Pilze und junge Bäumchen brachte sie heim. Mir schenkte sie einmal eine junge Sandkiefer. Diese setzte ich in den Herbstgarten Hausnummer 22 1/2 (Feld-häuser). Nahe an der Dorfstraße ist sie längst ein kräftiger Baum geworden. Ich hoffe, dass er uns allen im Dorf noch lange erhalten bleibt.
Die Marie hat bitterarm gelebt, arm ist sie gestorben. Kein Grabstein der Gemeinde erinnert uns an die arme Seele. Ihr Grab nahe dem Krameranwesen Hausnummer 2 ist längst verschwunden.

aus "Griesstätter Heimatbuch", Seite 113/114, Autor Hauplehrer a. D. Hans Brunner

Die Brucknschusterlies und die Eckmann Marie

Die Bruckenschusterlies

Sie ist unsterblich verbunden mit dem Inn und der alten Holzbrücke. Jedermann kannte sie und alle freuten sich, wenn sie, mit einem Stock bewaffnet, im Dorfe auftauchte und recht schelmisch lachte. Ihren Schreibnamen habe ich nie gehört und erfahren. Sie war einmalig, ein Original.

Sie hauste unverheiratet mit dem „Schuster", einem alten Junggesellen, im Zollhaus am Inn auf der linken Innuferseite. Dort war auch die Brücke durch ein großes, hölzernes Tor für die Fahrzeuge und ein kleines Tor für die Fußgänger abgesperrt.

Wer über die Brücke wollte, musste Zoll bezahlen: Fußgänger 5 Pf. und Fahrzeuge 10 Pf. Ich kam öfters nachts vom Rotter Zug an das schmale Fenster des Brücknhäusls. Gleich war der „Schuster" da, öffnete mit einer Hand das Guckloch, mit der anderen hielt er die lange Unterhose fest, alles für 5 Pf.
Die Lies war im Grunde ihrer Seele ein guter Mensch. Sie war von hagerer Gestalt, gehbehindert, dürftig gekleidet und sie trug eine Brille. Ich sprach sie immer an und herzhaft konnte sie dann lachen. Ich wunderte mich oft, wie sie trotz der großen Armut so zufrieden mit dem Schuster lebte. Im Sprechen tat sie sich schwer. Man musste ihr Zeit lassen, ihre Meinung zu sagen.
Leider weiß ich nichts von ihren letzten Lebenstagen zu berichten. Der unselige Krieg sorgte dafür.

Die Eckmann Marie

Am 25. Dezember 1889 kam sie in Röthenbach als Tochter des Taglöhners Josef Eckmann und seiner zweiten Frau Theres Eggcr in der Filze zur Welt. Ein einfaches Häuschen gehörte zu ihrem Besitz.
Die Eckmann Marie war wirklich nicht mit fraulichen Reizen ausgestattet. Ein Buckel verun-staltete ihre Erscheinung. Ihre Eltern starben, und da stand die Marie mit ihrem Häuschen allein da. Da konnte die arme Seele wirklich nicht bleiben. Die Gemeinde übernahm das Häuschen. Dafür sorgte sie für die arme Marie. Im Gemeindehaus hinter dem Schratzcnstalleranwesen fand sie Unterschlupf. Dort verbrachte sie ihr Lebensende.

Sie war sehr misstrauisch und abergläubig. Im Zorn funkelten ihre Augen wild. Gewitter fürchtete sie wie der Teufel das Weihwasser. Aber noch mehr Angst hatte sie vor dem Ster-ben. Sie starb am 3. März. 1955. Ihr Grab ist auch längst verschwunden und vergessen.

aus "Griesstätter Heimatbuch", Seite 113/114, Autor Hauplehrer a. D. Hans Brunner